Spermidin: So unterstützt die natürliche Substanz unsere Körperzellen

Es gilt nicht nur als gesund, sondern kann angeblich ganz nebenbei die verschiedensten Krankheiten heilen: Spermidin ist im menschlichen Körper an vielen wichtigen Prozessen beteiligt. Doch was ist dran an den blumigen Behauptungen, dass Spermidin Krebs oder Corona heilen kann? Ist der Nährstoff tatsächlich ein natürlicher Jungbrunnen, der Alterungsprozesse im Körper aufhalten kann? Und warum ist es in jedem Fall wichtig, den Mikronährstoff regelmäßig einzunehmen? All das und vieles mehr erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema!

Spermidin

Lesezeit: 03:47 Minuten

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Spermidin?
  2. Spermidin: Das ist die Wirkung
  3. Das sagt die Forschung über Spermidin
  4. Wo ist Spermidin enthalten?

1. Was ist Spermidin? Der Mikronährstoff im Porträt

Spermidin ist eine natürliche Substanz, die, chemisch gesehen, zu den sogenannten biogenen Polyaminen gezählt wird. Sie ist in sämtlichen menschlichen Körperzellen enthalten, kommt aber auch in verschiedenen Lebensmitteln vor. Der Körper selbst produziert das Polyamin zum Beispiel mithilfe verschiedener Darmbakterien. Den Bedarf kann er so allerdings nicht komplett decken – entsprechend sollten wir die Substanz zusätzlich über die Nahrung regelmäßig zu uns nehmen. Eine Alternative kann der Kauf von Spermidin als Nahrungsergänzungsmittel sein. Übrigens: Die Bezeichnung „Spermidin“ bezieht sich tatsächlich auf den ursprünglichen Ort, an dem die Substanz erstmalig gefunden wurde – nämlich die Samenflüssigkeit.

2. Spermidin: Das ist die Wirkung

Der Vitalstoff ist im menschlichen Körper an vielen relevanten Prozessen beteiligt. Grundsätzlich ist der Botenstoff wichtig für das Zellwachstum und die gesunden Zellfunktionen, etwa die Zellteilung. So unterstützt er beispielsweise maßgeblich die sogenannte Autophagie – also verschiedene Reinigungsprozesse innerhalb der Zellen. Beschädigtes Zellmaterial wird abgetragen und/oder repariert, potenziell Schädliches wird entsorgt. Dieser Prozess ist wichtig dafür, dass die Zellen frisch und gesund bleiben – die Grundlage für einen fitten und widerstandsfähigen Körper.

Spermidin: Ein neues Wunderheilmittel?

Man kann es kaum dezenter ausdrücken: Spermidin gilt heute als echtes Wundermittel – zumindest wenn man den vielen Vermutungen und Behauptungen Glauben schenkt, die der Substanz erstaunliche Effekte innerhalb des menschlichen Körpers nachsagen. Je älter der Mensch wird, desto weniger Spermidin weisen seine Zellen auf, die Vitalität der Zellen sinkt. Entsprechend wird nun vermutet, dass das Polyamin dabei helfen kann, die natürliche Zellalterung aufzuhalten. Eine mögliche Folge dieser verzögerten Alterungsprozesse: Typische Alterserkrankungen, neben Alzheimer und Demenz sowie Parkinson auch viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen, könnten möglicherweise so verhindert werden. Doch damit nicht genug: Gegen Corona soll Spermidin ebenfalls helfen, und auch Krebs soll sich mithilfe von Spermidin therapieren lassen können.

3. Das sagt die Forschung über Spermidin

Um es kurz zu sagen: Viele Gesundheitsversprechen rund um Spermidin sind nach aktuellem Wissensstand nicht haltbar. So wird dem Botenstoff zum Beispiel laut einiger Untersuchungen nachgesagt, sich positiv auf die Lebenserwartung auszuüben. Die entsprechende Studie mit positivem Ausgang war allerdings eher klein angelegt. Zudem ist es möglich, dass die möglicherweise längere Lebenserwartung von Menschen, die sich spermidinreich ernähren, auch an der gesunden Ernährung allgemein liegen könnte. Die Tatsache, dass die Substanz im Körper die zelluläre Autophagie ankurbeln kann, ist allerdings für die medizinische Forschung durchaus vielversprechend. Nicht nur viele Infektionskrankheiten, sondern auch Krebs ließen sich auf dieser Grundlage in Zukunft möglicherweise therapieren (Verbraucherzentrale, 2020).

Gegen das Coronavirus gibt es nach wie vor keine wirksame Behandlung. Wissenschaftler haben allerdings im Rahmen einer Studie an der Berliner Charité herausgefunden: Während Coronaviren den Reinigungsprozess Autophagie hemmen, kann der natürliche Vorgang durch den Einsatz von Spermidin wieder aktiviert werden – ebenfalls eine interessante Grundlage für eine mögliche zukünftige Behandlung der Krankheit. Eine weitere Studie der Berliner Charité hat dagegen Hoffnungsvolles im Kampf gegen Krankheiten wie Demenz hervorgebracht: Basierend auf der Annahme, dass Spermidin sich positiv auf die Funktion der Nervenzellen und der geistigen Fähigkeiten auswirken kann, erhielten die Teilnehmer regelmäßig zusätzliches Spermidin in Kapselform. So zeigten sich in der Vorstudie tendenzielle Verbesserungen der Gedächtnisleistung der Teilnehmer – möglicherweise ein Ansatz für eine zukünftige Demenz-Therapie (Flöel, 2017).

4. Wo ist Spermidin enthalten?

Auch wenn Spermidin wohl kein Wunderheilmittel ist – wichtig für den Körper ist es in jedem Fall. Da der Körper selbst nur etwa ein Drittel des Bedarfs selbst produziert, empfiehlt sich eine zusätzliche Einnahme. Neben praktischen Nahrungsergänzungsmitteln empfehlen sich auch verschiedene Lebensmittel als Quelle. Diese Nahrung enthält besonders große Mengen:

  • Weizenkeime (viele Spermidin-Nahrungsergänzungsmittel entstehen auf Basis von Weizenkeimen beziehungsweise Weizenkeimextrakt)
  • Hülsenfrüchte, etwa Sojabohnen, Erbsen, Linsen oder Kichererbsen
  • Reifer Käse, zum Beispiel Parmesan oder Cheddar
  • Pilze
  • Kürbiskerne
  • Hühnerleber
  • Rinderhackfleisch
  • Obst wie Melone oder Mango
  • Gemüse wie Sellerie, Mais, Blumenkohl, Brokkoli, Kopfsalat oder Spinat
  • Haselnüsse
  • Vollkornbrot

Grundsätzlich gilt Spermidin als sehr gut verträglich – kein Wunder, schließlich handelt es sich um eine körpereigene Substanz. Eine entsprechende Studie verzeichnete bei Einnahme von 1,2 mg Spermidin pro Tag keinerlei Probleme. (Verbraucherzentrale, 2020). Übrigens: Nicht nur durch spermidinreiche Nahrungsmittel oder die Einnahme von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln lässt sich der Bedarf decken – auch ein gesunder Lebenswandel kann dabei unterstützen: So lässt sich die Menge am Nährstoff im Körper beispielsweise durch Sport oder Fasten beziehungsweise eine deutliche Reduzierung der Kalorienzufuhr steigern. Auch Schwangere haben besonders viel Spermidin im Körper. Andererseits steigt der Wert auch während akuter Infektionen an. (Stand: Dezember 2020)

Quellen

1) Flöel, Agnes et al. (29.3.2017): Polyamine-enriched Diet in Elderly Individuals With Subjective Cognitive Decline (SmartAge). https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03094546(abgerufen 9.12.2020)

Smollich, Martin (2020): Charité-Studie: Mit Spermidin gegen COVID-19. https://www.ernaehrungsmedizin.blog/2020/04/23/charite-studie-mit-spermidin-gegen-covid-19/(abgerufen 9.12.2020)

Verbraucherzentrale (21.9.2020): Jungbleiben mit Spermidin? https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/jungbleiben-mit-spermidin-51804 (abgerufen 9.12.2020)