Ketogene Diät: Was bringt die ketogene Ernährung wirklich?

Die ketogene Diät wird häufig bei Krebserkrankungen empfohlen. Doch diese radikale Form der Low-Carb-Diät soll auch die Pfunde purzeln lassen. Was steckt hinter der ketogenen Diät, wie funktioniert sie – und welche Risiken gibt es? Diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel nach!

1. Was ist die ketogene Diät?

Die ketogene Diät ist eine Variante der Low-Carb-Diät – also einer Ernährungsweise, die auf eine reduzierte Zufuhr von Kohlenhydraten setzt. Tatsächlich ist die ketogene Ernährung sogar die strengste Form der Low-Carb-Diät: Ziel ist es, pro Tag weniger als 20 Gramm an Kohlenhydraten aufzunehmen. Der Name der ketogenen Diät leitet sich von dem Begriff Ketose ab. Die Ketose ist ein spezieller Zustand des Stoffwechsels, in den der Körper mit Hilfe der Diät geführt werden soll.

2. Wie funktioniert eine ketogene Diät?

Die Ketose tritt ein, wenn der Körper die Energie nicht mehr aus Kohlenhydraten generiert, sondern aus Fett. Im ketogenen Zustand bildet die Leber aus Coenzymen die Ketokörper. Diese Ketokörper – es handelt sich dabei um die Säuren Acetacetat, Aceton und Beta-Hydroxy-Buttersäure – dienen anstelle der Kohlenhydrate als wichtigster Energielieferant. Bis der Körper in die Ketose eintritt, dauert es – je nach Strenge der ketogenen Diät – einige Tage bis zwei Wochen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, dass 50 Prozent der Nahrung aus Kohlenhydraten bestehen sollten, 30 Prozent aus Fett und 20 Prozent aus Protein. Eine Keto-Diät besteht dagegen zu etwa 80 Prozent aus Fett, zu 15 Prozent aus Eiweiß und nur noch zu fünf Prozent aus Kohlenhydraten. Zum Vergleich: Bei der Low-Carb-Diät werden 50 Prozent der Nahrung aus Fetten gewonnen, 25 Prozent aus Eiweiß und 25 Prozent aus Kohlenhydraten.

3. Warum wendet man die ketogene Ernährung an?

Eine der wichtigsten Intention bei der ketogenen Diät ist die therapeutische: Der spätere Nobelpreisträger Otto Warburg entdeckte 1924, dass bösartige Tumore aus Kohlenhydraten gewonnene Glukose benötigen, um sich weiter auszubreiten. Die ketogene Diät nimmt im Umkehrschluss an, dass man Krebszellen die Existenzgrundlage entzieht, wenn man den Anteil an Kohlenhydraten in der Ernährung auf ein Minimum reduziert.

Deshalb ist die ketogene Ernährung vor allem als Krebsdiät bekannt. Sie wird jedoch auch zum Abnehmen verwendet. Dahinter steckt die Annahme, dass nicht Fette dick machen, sondern Kohlenhydrate. Außerdem gehen Anhänger der ketogenen Diät davon aus, dass Ketonkörper als Energielieferant besser geeignet sind als Kohlenhydrate und auf diese Weise zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden führen.

4. Was sind Keto-Lebensmittel?

Hier sehen Sie die ketogenen Lebensmittel in Reihenfolge ihrer Wichtigkeit in der ketogenen Ernährungspyramide:

  • Gemüse: Die Basis bildet kohlenhydratarme Gemüsesorten wie grüne Salate, Spinat, Gurke, Pak Choi, Rosenkohl, Chinakohl, Grünkohl, Zucchini oder Lauch. Stärkehaltige Gemüsesorten wie Süßkartoffeln sollten vermieden werden.
  • Fleisch: Direkt nach dem Gemüse folgen Fleisch, Geflügel und Fisch. Alle Lebensmittel sollen unverarbeitet sein. Rindfleisch, Pute, Hühnchen, Wildfleisch, Lachs, Thunfisch, Barsch, Kabeljau, Zander oder Forelle sind für die ketogene Diät geeignet. Meerestiere wie Krabben, Garnelen oder Muscheln ergänzen den Speiseplan.
  • Eier: Auch Hühnereier enthalten nur wenige Kohlenhydrate und liefern Protein und Vitamine wie Vitamin A, Vitamin B und Vitamin K. Sie gehören daher zu einer ketogenen Diät dazu.
  • Milchprodukte: Hier sollten vor allem Vollmilch, Quark und Käse mit hohem Fettgehalt gegessen werden. Sie liefern Calcium und Protein. Allerdings enthalten sie Laktose, daher sollten sie nur in Maßen gegessen werden. Bei einer vegetarischen Keto-Diät haben Milchprodukte als Protein-Lieferant einen höheren Stellenwert.
  • Nüsse und Samen: Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse, Pistazien oder Sonnenblumenkerne – Nüsse und Samen enthalten wertvolle Fette. Da sie auch Kohlenhydrate enthalten, sollten sie eher selten verzehrt werden.
  • Obst und Beeren: Früchte halten Fructose, also Zucker, und sollten deshalb sparsam eingesetzt werden. Geeignet sind vor allem Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren, aber auch Avocados und Oliven.

5. Gibt es Risiken bei ketogener Ernährung?

Viele Ernährungswissenschaftler stehen der ketogenen Ernährung skeptisch gegenüber. Sie sehen die Gefahr, dass der Körper durch die massive Bildung von Ketokörpern übersäuert und sich Giftstoffe anreichern, die Nieren und Leber belasten können. Tritt der Körper in den Zustand der Ketose ein, kann sich dies durch Konzentrationsstörungen und Müdigkeit bemerkbar machen. Studien zeigen, dass sich in 30 Prozent der Fälle Mundgeruch einstellt, da die Galle Aceton produziert. 33 Prozent der Menschen, die eine ketone Diät durchführen, leiden unter Verstopfung, 28 Prozent unter Muskelkrämpfen1.

Menschen, die schon einmal eine ketogene Diät gemacht haben, berichten häufig, dass sich der Körper an den Zustand der Ketose gewöhnt und sie sich nach kurzer Zeit besser gefühlt haben. Viele Ernährungsexperten sehen jedoch die Gefahr von Nährstoffmangel und empfehlen zum Abnehmen eher eine moderate Low-Carb-Diät. Bei einigen Stoffwechselerkrankungen ist die ketogene Ernährung durchaus sinnvoll. Sie sollte jedoch nur mit ärztlicher Begleitung stattfinden. Eine Ketoazidose, also die Übersäuerung des Blutes, kann im Extremfall lebensgefährlich sein.

6. Das sagt die Wissenschaft zur ketogenen Diät

Untersuchungen zufolge kann die ketogene Diät kurzfristig zu einem großen Gewichtsverlust führen2. Dass die ketogene Diät einen positiven Einfluss bei Krebserkrankungen hat, konnte aber nicht belegt werden. Forscher weisen vielmehr darauf hin, dass Krebszellen sehr anpassungsfähig sind und nicht zwingend Kohlenhydrate benötigen, um sich auszubreiten.

Es gibt Hinweise darauf, dass die ketogene Diät langfristig zu organischen Problemen führen kann. Krebsspezialisten empfehlen, auf eine ausgewogene Ernährung mit allen wichtigen Nährstoffen zu achten, um den Körper und die Abwehrkräfte zu stärken. Umgekehrt gilt aber: Mit einer gesunden Ernährung können Risikofaktoren zur Entstehung von Krebs reduziert werden. So kann das Organfett in der Bauchregion Krebs begünstigen3.

Quellen

1) Studie: Rhonda Ting et al, Ketogenic diet for weight loss, Link: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6371871/

2) Studie: Joshi Shilpa et al, Ketogenic diets: Boon or bane?, Link: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6251269/

3) Studie: Anna Azvolinsky, Cancer Risk: The Fat Tissue–BMI–Obesity Connection, Link: https://academic.oup.com/jnci/article/106/4/dju100/2607285